Oberbügermeister Ude beim Gillamoos

Veröffentlicht am 21.09.2012 in Lokalpolitik

Der traditionelle politische Schlagabtausch auf dem Gillamoos ist nach dem Politischen Aschermittwoch das größte Politspektakel in Niederbayern. Der Gillamoos zählt mit jährlich 250.000 Besuchern zu den größten und ältesten Volksfesten in Niederbayern.?Als im Jungbräu Christian Ude eintrifft und an den Biertischen vorbeimarschiert, stehen die Leute auf, klatschen, schwenken SPD- Fahnen. Gut gelaunt gibt Ude vor der Bühne Interviews. In Bayern gebe es „einen Überdruss an der CSU- Herrschaft“, sagte Ude, er spottete über Merkels Auftritt. „Ich finde es schmeichelhaft, dass die CSU ihre allerletzten Reserven aufbieten muss, um gleichzuziehen. Hier wird jetzt sogar Mutti zu Hilfe gerufen, der vor einer Woche noch in unflätiger Weise vors Schienbein getreten wurde“, sagte der SPD- Politiker über die Auseinandersetzungen zwischen CSU und CDU um Griechenland.

Auf der Bühne begrüßt die Kelheimer Landtagsabgeordnete Johanna Werner- Muggendorfer die Besucher – u.a. ihren Straubinger Kollegen Reinhold Perlak, MdL und den stellv. Niederbayernvorsitzenden, Christian Flisek sowie etliche anwesende Mandatsträger aus der Umgebung. "Herzlich willkommen bei der SPD", sagt sie wie gewohnt auf Bayerisch. "Unser Thema ist Gerechtigkeit und es kann nicht sein, dass jemand sein ganzes Leben arbeitet und dann nicht genug Rente bekommt", ruft sie. Das kommt im Bierzelt gut an, nicht nur die älteren Zuhörer klatschen begeistert. 
Walter Adam als Gstanzl- Sänger macht nun Witze über die Kanzlerin, die kein Bier mag und die man sich im Dirndl kaum vorstellen kann.

Bevor Christian Ude die Bühne im SPD- Zelt betritt, gibt Landeschef Florian Pronold den Einheizer. Und der knöpft sich erst einmal Finanzminister Markus Söder vor, der kürzlich mit dem Negativpreis "Goldener Föhn" als "größter Dampfplauderer" ausgezeichnet wurde. "Weil er der Politiker ist, der am meisten heiße Luft verbreitet", ruft Pronold. Sein Lieblingsgegner scheint allerdings CSU- Generalsekretär Alexander Dobrindt zu sein, der jüngst mit seinem Anti- Euro- Populismus aufgefallen war. "Für schwer erziehbare Kinder wie Dobrindt haben die jetzt extra die Kanzlerin in Gillamoos eingeflogen, damit die mal erklärt wie das mit Europa ist", ruft er. Die SPD teilt aus auf dem Gillamoos. Der Chef der Bayern- SPD über die schwarz- gelbe Koalition: „Ein Hühnerhaufen ist eine militärische Kampfformation im Vergleich zur schwarz- gelben Koalition. Die streiten wie die Kesselflicker.“

Pünktlich um 10.45 Uhr betritt Christian Ude die Bühne und wird mit Applaus begrüßt. "Ich seh' was, was ihr nicht seht: nämlich ein gefülltes Bierzelt", sagt er zu Begrüßung. 2500 Menschen sollen da sein. "Das macht Spaß", ruft Ude und beginnt sofort über die "grottenschlechte" schwarz- gelbe Regierung zu schimpfen. SPD- Hauptredner Christian Ude watscht ebenfalls CSU- Generalsekretär Alexander Dobrindt ab. In der Euro- Krise warf er der CSU "skrupellose Vereinfachung" vor. Die Forderungen von Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Finanzminister Markus Söder seien nur Stimmungsmache, wetterte er. "„Griechen raus“ erinnert mich an übelste Parolen“, sagte der Münchner Oberbürgermeister im voll besetzten Jungbräu- Festzelt. Von vielen Missständen in Griechenland habe er sich vor Ort persönlich überzeugt, sagt er. Das Verhalten der dortigen Oberschicht, die kaum Steuern zahle, sei ein Skandal. Aber er höre immer nur "Griechen raus", sagt Ude. Und Ressentiments, Separatismus und Kleinstaaterei von der CSU. "Mehr daneben liegen kann man nicht", ruft er. „Wir wollen europäische Missstände angreifen, aber nicht andere europäische Völker.“

Der Kanzlerin trete doch nur in Abensberg auf, "damit sich die frechen Buben an Muttis Rockzipfel wieder festhalten können", sagt er. "Das ist nicht wie hier ein Treffen von Gleichgesinnten, sondern das ist eine pädagogische Maßnahme für unerzogene Generalsekretäre, die eine Wirtshausschlägerei nicht von internationaler Finanzpolitik unterscheiden können". Er wünsche der Kanzlerin deshalb "Mut und Kraft". Kanzlerin Angela Merkel solle bei ihrer Gillamoos- Rede den CSU- Anhängern erklären, „warum Horst Seehofer und die Seinen allen Rettungsschirmen zugestimmt haben“. CSU- Chef Seehofer rufe in Bayern rote Linien aus „und überschreitet sie in Berlin Arm in Arm mit der Kanzlerin“. Den Dauerstreit in der schwarz- gelben Bundesregierung bewertete Ude als hoffnungsvolles Zeichen für die SPD: „Das sind fast schon Wunschrufe: Befreit uns endlich von der Regierungslast. Wir können es nicht.“

Christian Ude nimmt nun Stellung dazu, was er in Bayern ändern wolle, falls es denn mit der Wahl zum nächsten bayerischen Ministerpräsidenten klappen sollte. Eine SPD- Landesregierung würde sich für flächendeckende Kinderbetreuung und Gemeinschaftsschulen einsetzen, sagt Ude. "Wir müssen uns an der Realität der Familie orientieren, nicht am CSU- Leitbild", ruft er. Beschämend sei, dass nirgendwo die Schuldbildung so sehr vom Geldbeutel abhänge wie in Bayern. Den Populismus und die rüpelhaften Sprüche der Parteirivalen, die Ude immer wieder kritisiert, will er sich nicht zu eigen machen. Und so erklärt er ausführlich, warum auch die SPD – wie die CSU – findet, dass der Länderfinanzausgleich Bayern benachteilige. „Stimmt, die Bayern kommen zu kurz“, ruft Ude donnernd. Doch wo für einen CSU- Redner das Thema endet, geht es bei ihm erst richtig los. Eben jene Politiker, die heute in Karlsruhe gegen die Ausgleichzahlungen klagen wollen, hätten den Finanzausgleich dereinst beschlossen und als großen Erfolg der CSU verkauft.

Eine Stunde redet Ude. Es geht um den Mindestlohn, die Bayerische Landesbank – er will die Studiengebühren abschaffen und die Kinderbetreuung ausbauen. Und immer wieder geht es um die Fehler der CSU. Ude hat sich in Rage geredet. "Sie sollten auch darüber nachdenken, ob es nach 55 Jahren der Machtentfaltung und des Machtmissbrauchs in Bayern nicht an der Zeit ist für einen demokratischen Wechsel" ruft er. "Ich denke, dass Bayern es verdient hat, dass es gerechter und sozialer wird, demokratischer und ökologischer."

 

Kommentare

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